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Der Knoblauchbauer hat die dicksten Knollen

Erstellt von Eckhard Sommer |

Allium sativum ist der lateinische Name für Knoblauch. Den isst Detlef Kittelmann leidenschaftlich gern. Aber nicht nur das: Der Vogtländer baut die Knollen selbst an.

Zwota - Detlef Kittelmann schiebt seinen breitkrempigen Hut ins Genick, lehnt sich zurück und lächelt genüsslich: "Mangold grob zerkleinern, mit brauner Butter in der Pfanne schwenken, ordentlich Knoblauch raspeln und dann alles über die Spagettis - ich kann mir nichts Besseres vorstellen!" Wenn es Zahnpasta mit Knoblaucharoma gäbe, würde der 52-jährige auch sie noch zum Tagesabschluss benutzen, so sehr schwört er auf die Knolle. Für das Raspeln hat er sich extra einen Trüffelhobel besorgt - Knoblauchzehen sind seine Trüffel. Jeder Markthändler, jeder Supermarkt wären froh, gehörte er zu ihren Stammkunden. Die braucht Detlef Kittel aber nicht, denn er baut Knoblauch in seinem Garten selbst an.

Dem alten Bulgaren abgeschaut

Anbauen - das ist untertrieben. Detlef Kittelmann züchtet ihn, er ist ein Knoblauchmann. Der Grund für Detlef Kittelmanns Leidenschaft liegt 20 Jahre zurück und hieß Kristof Gospodinow. Ein alter Mann aus Zwota, ein Kauz vom Balkan, der immer sagte: "Meine Vater war die letzte Räuberhauptmann von die Bulgaren." Dieser Mann hatte im Garten Knoblauch mit Knollen und Zehen von gigantischem Ausmaßen. "Als ich die gesehen hatte, packte mich der Ehrgeiz: Solche Riesen will ich auch züchten", erzählt Detlef Kittelmann, und kann sich noch gut daran erinnern, dass der Bulgare ihm ein paar von seinen Knollen schenkte. Heute sagt Kittelmann stolz: "Ich habe ihn schon lange übertroffen!"

Es sind mehrere meterlange Beete, die der Zwotaer in seinem Garten angelegt hat. Im Abstand von knapp 15 Zentimetern reiht sich Pflanze an Pflanze, jede einzelne kräftig grün, und bei einem flüchtigen Blick könnte man denken, es sei Porree - so kräftig ist jeder Stängel. Die Blätter schießen schon jetzt einen Meter in die Höhe und das Wachstum ist noch lange nicht abgeschlossen. "Im letzten Jahr waren die Pflanzen über zwei Meter hoch. Ich musste sie wie Stangenbohnen abstützen." Man bedenke: Es handelt sich um Knoblauch, nicht etwa um Bambus.

Ernteertrag von 60 Kilo

Im letzten Jahr, ja, da verschlug es selbst Detlef Kittelmann die Sprache. "Das war bisher mein Rekordjahr. Ich habe 60 Kilo geerntet. Ich mache das alles aber in erster Linie für mich als Hobby. Weil ich beim besten Willen nicht alles selbst verbrauchen kann, gebe ich einen Teil an Gaststätten ab und an Bekannte. Der Kreis wird immer größer."

So, Herr Kittelmann, jetzt aber Klartext geredet. Wie kommt es, dass sie solchen gigantischen Knoblauch haben? Da stimmt doch was nicht in Zeiten der Gentechnik! Über Vermutungen in diese Richtung kann Detlef Kittelmann allerdings nur müde lächeln. Seine Antwort fällt ebenso einfach wie plausibel aus: "Es sind meine Erfahrungen und dann ist die Auswahl, die Selektierung entscheidend. Ich führe darüber genau Buch. Von Anfang an, seit 20 Jahren, habe ich immer nur die kräftigsten Zehen von den größten Knollen für die nächste Pflanzung gesetzt", erläutert Kittelmann. Mit Erfolg: Knollen von ihm liegen in der Genbank in Gartensleben, mit Knollen aus 500 Anbaugebieten. Dort sagte man ihm, dass seine Knollen von der Größe her einzigartig seien.

Neben der Selektierung ist sorgsame Pflege wichtig. Der Boden gehört dazu, verwitterter Lehmschiefer, der ständig gelockert werden muss und den Detlef Kittelmann regelmäßig mit zwei Jahren abgelagertem Hasenmist versetzt. Beim Gießen müsse man gar nicht hinterher sein. Die Blätter sind v-förmig, sammeln den Tau und leiten ihn weiter. Nur bei extremer Hitze werden die Pflanzen besprüht.

Frostschutzmittel enthalten

700 Zehen hat Kittelmann im vergangenen Herbst gepflanzt. "Der Schnee war gut, hat nicht geschadet, denn in den Zehen ist eine Art Frostschutzmittel wie bei Narzissen", erklärt er. Im Juli hofft Kittelmann auf eine ertragreiche Ernte und ist schon wegen der kräftigen Stängel auf den Beeten optimistisch. Die Zeit bis dahin überbrückt er mit Zehen aus dem vergangenen Jahr. Trocken und dunkel gelagert, sind sie immer noch aromatisch.


Knoblauch

Knoblauch ist eine sehr alte Kulturpflanze, die aus Asien stammt und durch Marco Polo in den Mittelmeerraum gebracht wurde. Sie gilt nicht nur als Gewürz-, sondern auch Heilpflanze. Außerdem wirkt sie antibakteriell, bei Erkältungen und Herzkreislauferkrankungen. Knoblauch hilft, die Blutfettwerte zu senken und beugt darum Arteriosklerose vor. Die strenge Geruch nach dem Verzehr von Knoblauch kommt nicht, wie oft angenommen, aus dem Magen. Tatsächlich werden die schwefelhaltigen Abbauprodukte über die Lungenbläschen an die Atemluft abgegeben. In vielen Kulturen wird dem Geruch jedoch keine Bedeutung beigemessen.

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